Anonyme Scharfschützen und ein Todesurteil

Wir erfahren vielleicht nie den Namen des Soldaten, der Razan al-Najjar getötet hat. Aber wir kennen die Namen derer, die ihm den Befehl gaben, sie zu töten.

Amira Hass, 07.06.2018

Wir kennen ihren Namen: Razan al-Najjar. Aber wie heißt er? Wie heißt der Soldat, der sie getötet hat, mit direktem Feuer auf ihre Brust am vergangenen Freitag? Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich auch nie erfahren.

Im Gegensatz zu den Palästinensern, die im Verdacht stehen, Israelis getötet zu haben, ist der Israeli, der Najjar getötet hat, vor den Kameras und vor einer tiefgreifenden Analyse seiner Familiengeschichte geschützt, einschließlich der Teilnahme seiner Verwandten an Routineangriffen auf Palästinenser als Teil ihres Militärdienstes oder ihrer politischen Zugehörigkeit.

Es werden ihm keine fordernden israelischen Mikrofone mit bohrenden Fragen ins Gesicht geschoben: Hast du nicht gesehen, dass sie das weiße Gewand eines Sanitäters trug, als du auf ihre Brust gezielt hast?

Hast du nicht gesehen, dass ihr Haar mit einem Kopftuch bedeckt war? Musstest du nach deinen Einsatzregeln auch auf Sanitäter, Männer und Frauen schießen, die etwa 100 Meter vom Grenzzaun entfernt sind? Hast du auf ihre Beine geschossen (warum?) und daneben geschossen, weil du nicht schießen kannst? Tut es dir leid? Schläfst du nachts gut? Hast du deiner Freundin gesagt, dass du eine junge Frau im selben Alter wie sie getötet hast? War Najjar deine erste?

Die Anonymität unserer Soldaten, die Palästinenser abknallen und töten, ist ein untrennbarer Bestandteil der Kultur der israelischen Straflosigkeit.

Wir stehen über allem. Sind immun gegen alles. Einem anonymen Soldaten zu erlauben, eine junge Rettungssanitäterin mit einer Kugel zu töten, die sie in die Brust traf, aus ihrem Rücken austrat, und so tun, als wäre nichts gewesen…

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